Buchclub

Jeden 2. Freitag des Monats ab 09.12.2022, 18:00 – 19:30 Uhr, Buchclub, Onlineveranstaltung

Chinas literarische Tradition reicht mehrere Jahrtausende zurück, sie gehört zu den reichsten der Welt. Aber auch zeitgenössische Literatur aus China ist ausgesprochen vielfältig, spannend, oft überraschend. Und obwohl Übersetzungen chinesischsprachiger Literatur auch im Ausland immer mehr Fans finden – insbesondere Science Fiction aus China ist in den letzten Jahren zunehmend bekannt und beliebt geworden – sind Vielfalt und Bandbreite chinesischer Literatur hierzulande dem breiten Publikum noch immer weitgehend unbekannt.

Der Buchclub findet zu den unten angegebenen Terminen jeweils von 18:00 – 19:30 Uhr Uhr online statt.

Bitte beachten Sie, dass die behandelten Werke im Buchclub inhaltlich diskutiert werden sollen. Daher empfehlen wir für die Teilnahme die vorherige Lektüre!

Wann: Jeden 2. Freitag des Monats ab 09.12.2022, 18:00 – 19:30 Uhr
Wo: Diese Veranstaltung findet über die Videokonferenz-Plattform Zoom statt:
https://us02web.zoom.us/j/2164672202
Meeting-ID: 216 467 2202

Die Anmeldung (freiwillig) finden Sie ganz unten auf dieser Seite.

Folgende Bücher möchten wir im Buchclub 2022/2023 besprechen:

09. Dezember 2022, 18:00 - 19:30 Uhr: YAN Geling, Die Mädchen von Nanking

Hoffnung und Liebe inmitten von Grausamkeit und Tod
»Die Mädchen von Nanking« erzählt von Hoffnung und Liebe inmitten von Grausamkeit und Tod. Und davon, wie sich Verachtete durch eine mutige Entscheidung aus der Namenlosigkeit erheben und ihre Würde zurückgewinnen. Geling Yan, erfolgreiche US-Autorin chinesischer Herkunft, erinnert in ihrem mit Starbesetzung verfilmten Roman an das Massaker von Nanking.

13. Januar 2023, 18:00 - 19:30 Uhr: FANG Fang, Weiches Begräbnis

Aus dem Chinesischen von Michael Kahn-Ackermann. Als „Weiches Begräbnis“ 2016 in China erscheint, wird der Roman als wichtigstes chinesisches Werk der letzten Jahrzehnte gefeiert und mit dem renommierten Literaturpreis Lu Yao ausgezeichnet. Doch als bei einer Parteizusammenkunft der Roman mit dem Vokabular der Kulturrevolution als „Giftpflanze“ verbrämt wird, verschwindet das Buch vom Markt. Denn Fang Fang rührt darin an ein unverarbeitetes Trauma der chinesischen Gesellschaft, die Landreform nach 1948, als Millionen Chines*innen hingerichtet und in „weichen Begräbnissen“, d.h. ohne Sarg, verscharrt wurden. In einem kleinen Dorf wird eine junge Frau halbtot aus einem Fluss gezogen, sie erinnert sich an nichts. Der Dorfarzt Dr. Wu rettet ihr das Leben, und sie beginnt ein neues: Sie wird Haushälterin des KP-Kaders vor Ort, heiratet ihren Retter Dr. Wu, und sie bekommen einen Sohn. Doch im Laufe der Jahre löst sich der schützende Kokon des Vergessens. Sie sind verdammt zu schweigen, denn das Schweigen schützt die Familie: auch dafür steht „weiches Begräbnis“, die Erinnerung so tief zu begraben, dass gefährliches Wissen für immer verlorengeht. Im Schatten dieses Traumas wächst ihr Sohn auf – doch alles ändert sich, als er beginnt, die Vergangenheit zu erforschen.

10. Februar 2023, 18:00 - 19:30 Uhr: LI Yiyun, Die Sterblichen

In einer Provinzstadt weit weg von Peking soll die junge Gu Shan hingerichtet werden. Ihr Verbrechen: Sie, die während der Kulturrevolution fanatische Rotgardistin war, hat dem Kommunismus abgeschworen. Shans Tod wird weitreichende Konsequenzen haben. Nicht nur für ihre Eltern, sondern auch für die Rundfunksprecherin Kai, die längst an der Partei zweifelt; für die verkrüppelte Nini, die wie eine Sklavin gehalten wird; oder für den kleinen Tong, der nur von seinem Hund Liebe bekommt. Yiyun Li zeichnet ein plastisches Bild der Ereignisse in China am Ende der siebziger Jahre, die heute wieder von beklemmender Aktualität sind. Ihr Roman ist ein universelles Porträt von menschlichem Leiden und menschlichem Mut.

10. März 2023, 18:00 - 19:30 Uhr: HAI Rao, Guten Morgen, Chongqing

Eindringlich schildert der Roman bescheidene Träume und kleines Glück im Alltag der Protagonisten, deren neue Hoffnungen aber mit dem Verlust der eisernen Reisschüssel einhergehen und mit immer wieder neuen Schicksalsschlägen und neuen Sorgen hart auf die Probe gestellt werden. Unbeugsamer trotziger Lebensmut, Liebenswürdigkeit und Naivität kennzeichnen die Romanfiguren, denen allerdings neben familiärer Harmonie und Solidarität auch Streit, Konflikte, Hartherzigkeit und Egoismus im eigenen und weiteren Umfeld nicht fremd sind, oft und gerade in der Folge ihrer finanziellen und gesundheitlichen Krisen und existenziellen Bedrohungen. Das Buch liefert außerordentlich anschauliche und authentische Einblicke in die städtische Lebenswelt der kleinen Leute in China.

14. April 2023, 18:00 - 19:30 Uhr: HAO Jingfang, Peking falten: Erzählung

Peking, in der Zukunft: Um den knapp bemessenen Raum möglichst effizient zu nutzen, wurde die Stadt in drei Sektoren unterteilt, die sich mittels einer raffinierten Konstruktion platzsparend drehen, in der Erde versenken und zusammenfalten lassen. Nach einem strengen Plan wird immer nur ein Sektor entfaltet, damit die Menschen darin ihren Tätigkeiten nachgehen können. Ein Kontakt über die Sektorengrenzen hinweg ist untersagt. Lao Dao, Arbeiter in einer Müllentsorgungsanlage im Dritten Sektor, übernimmt einen abenteuerlichen Botengang in die abgeschirmte Erste Zone – und entdeckt ein düsteres Geheimnis hinter den faltbaren Mauern dieser schönen neuen Welt.

12. Mai 2023, 18:00 - 19:30 Uhr: MO Yan, Die Sandelholzstrafe

In seinem großen historischen Epos inszeniert Mo Yan eine farbenprächtige Pekingoper aus der deutschen Kolonialgeschichte seines Heimatlands. Vor der Kulisse einer untergehenden Epoche treten fünf Figuren auf die Bühne der Geschichte und kämpfen für das, was sie bewahren wollen, und für die, die sie lieben. Viel Neues geschieht im China des Jahres 1899: Von überall her drängen fremde Menschen in das zuvor verschlossene Reich. Sie bringen etwa die Eisenbahn, die bei der Provinzstadt Gaomi über die Gräber der Ahnen verlaufen soll. Vieles geht aber auch zu Ende in diesen letzten Tagen des Jahrhunderts: Das Kaiserreich liegt in Agonie, ebenso wie Sun Bing, der Opernsänger und Anführer des Aufstands gegen die Trasse und deren Erbauer. Um seinen Ungehorsam zu ahnden, bündelt die Staatsmacht all ihre Kräfte und verordnet ein letztes Mal die Sandelholzstrafe, die grausamste und zugleich kunstvollste der überkommenen Foltermethoden. Leib und Leben nicht allein des Opfers, sondern auch seiner Tochter, ihres Ehemanns, ja selbst des Henkers und des Richters stehen mit diesem Urteilsspruch auf dem Richtplatz der Geschichte. In einem der bedeutendsten chinesischen Romane der jüngsten Zeit spielt Mo Yan virtuos das Spiel der Masken, Perspektiven und Kontraste. Gewalt und Poesie, Empathie und schwarzer Humor, Derbheit und Feinsinn, die Fülle des westlichen Romans und die Eleganz der chinesischen Oper gehen in seiner bilderreichen und suggestiven Sprache Hand in Hand.

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