In ihrem Vortrag arbeitet Dr. Lohfeld mit einem erziehungswissenschaftlichen Blick auf autobiografische Erzählungen von jüdischen Emigranten in Shanghai die fundamentalen Erfahrungen der Aberkennung heraus, die ein lebensgeschichtliches Beheimaten bzw. Wieder-Beheimaten erschweren. Grundlage sind Interviews aus dem „Shanghai Jewish Community Oral History Project“ des Historikers Steve Hochstadt, der in einem Zeitraum von 15 Jahren nahezu 100 Interviews zusammengetragen hat. Während man auf der einen Seite die biografischen Berichte als historische Quellen nutzen kann, sind sie auf der anderen Seite auch Zeugnisse individueller Bearbeitung eines sowohl kollektiv als auch je individuell traumatischen Ereignisverlaufs. Diesen aus der Perspektive der betroffenen Personen nicht nur (nach) zu erzählen, sondern auch aus deren Perspektive zu verstehen, ist ein großes Anliegen der im Vortrag vorgestellten Forschungen, die mit Narrationsanalysen die unterschiedlichen Schichten der Erzählungen rekonstruieren.

Dr. Wiebke Lohfeld, Erziehungswissenschaftlerin und Supervisorin, ist derzeit an der Universität Koblenz-Landau als Akademische Rätin tätig. In ihrer langjährigen Forschungsarbeit untersucht sie Biografien jüdischer Emigrant*innen auf Dynamiken der Aufrechterhaltung ihrer individuellen und sozialen Integrität im Spiegel von Anerkennung/Aberkennung sowie in neueren Arbeiten zum Beheimaten im Narrativ. Ihre letzten Veröffentlichungen: (2019) Spannung – Raum – Bildung bei Beltz Juventa und (2020) mit Zimmermann/Westphal/Arend: Theater als Raum bildender Prozesse. Außerdem Artikel in verschiedenen Sammelbänden.

Sprache: Deutsch

Wann: 29.09.2022, 18:00 Uhr

Wo:
Präsenz: Konfuzius-Institut Frankfurt, Dantestr. 9, 60325 Frankfurt a.M.
Online: via Zoom. Den genauen Link erhalten Sie nach erfolgter Anmeldung.

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Die Teilnahme ist kostenfrei!