Buchclub

Jeden 2. Freitag des Monats ab 10.12.2021, 18:00 – 19:30 Uhr, Buchclub, Onlineveranstaltung

Chinas literarische Tradition reicht mehrere Jahrtausende zurück, sie gehört zu den reichsten der Welt. Aber auch zeitgenössische Literatur aus China ist ausgesprochen vielfältig, spannend, oft überraschend. Und obwohl Übersetzungen chinesischsprachiger Literatur auch im Ausland immer mehr Fans finden – insbesondere Science Fiction aus China ist in den letzten Jahren zunehmend bekannt und beliebt geworden – sind Vielfalt und Bandbreite chinesischer Literatur hierzulande dem breiten Publikum noch immer weitgehend unbekannt.

Der Buchclub findet zu den unten angegebenen Terminen jeweils von 18:00 – 19:30 Uhr Uhr online statt.

Bitte beachten Sie, dass die behandelten Werke im Buchclub inhaltlich diskutiert werden sollen. Daher empfehlen wir für die Teilnahme die vorherige Lektüre!

Wann: Jeden 2. Freitag des Monats ab 10.12.2021, 18:00 – 19:30 Uhr
Wo: Diese Veranstaltung findet über die Videokonferenz-Plattform Zoom statt:
https://us02web.zoom.us/j/2164672202
Meeting-ID: 216 467 2202

Folgende Bücher möchten wir im Buchclub 2021/2022 besprechen:

10. Dezember 2021, 18:00 - 19:30 Uhr: YAN Lianke, Lenins Küsse

Ein Sommerschneesturm vernichtet die Ernte im Balou-Gebirge. Hunger droht, doch Kreisvorsteher Liu weiß die Lösung: Tourismus bringt Geld, und Lenin ist ein Touristenmagnet. Russland den Leichnam Lenins abzukaufen, liegt da natürlich nahe. Moskau kann sich schließlich die Erhaltung der Leiche sowieso nicht mehr leisten. Um den Ankauf Lenins zu finanzieren, sollen die Dorfbewohner eine Art Zirkus gründen. Dass diese allesamt behindert sind, schreckt Liu nicht.

Ein absurdes Meisterwerk über die Volksrepublik und das moderne China, eine subversive Tragikomödie über das zerstörerische Verlangen nach Macht und Reichtum.

14. Januar 2022, 18:00 - 19:30 Uhr: Jade Y. Chen, Die Insel der Göttin

Die Lin sind die taiwanischen Buddenbrooks. Ihr Schicksal ist eng verknüpft mit dem ihrer Heimat – der kleinen Insel im südchinesischen Pazifik. Unter der Herrschaft Japans auf Taiwan gelten die Lin als Vorzeigefamilie, in der man Papiertüren baut und japanisch spricht. Zweiter Weltkrieg und „Weißer Terror“ zerreißen die Familie, nehmen ihr die Männer und Väter. Am Ende bleibt den Töchtern der Lin nur der Glaube an die Kraft der Götter. Der Roman beginnt in Berlin. Nach zwanzig Jahren reist eine Enkelin der Lin in Begleitung ihres deutschen Verlobten erstmals wieder in ihre Heimat. In ihrem Gepäck zwei geschnitzte Holzfiguren, die beiden Leibwächter der Meeresgöttin Mazu. Auf der Insel der Göttin entdeckt die Frau, dass sich hinter der Geschichte der drei Heiligenfiguren ein Familiengeheimnis verbirgt. Sie erfährt von der verbotenen Liebe zwischen ihrer japanischen Großmutter und ihrem chinesischen Großonkel. Und sie begegnet ihrer eigenen Vergangenheit.

11. Februar 2022, 18:00 - 19:30 Uhr: XIONG Yuqun, Schneefall 1939

„Schneefall 1939“ ist ein Roman des Schriftstellers XIONG Yuqun. Der Roman stellt durch die Erzählung des Krieges die Geschichte dar, wie ein normaler Mensch Schritt für Schritt zu einem mörderischen Teufel wird. Krieg verzerrt die menschliche Natur und vernichtet Leben. Wenn der Krieg einmal begonnen hat, ist er wie eine Maschine, die niemand mehr kontrollieren kann. Aber hierbei gibt es immer noch die Güte und Einfachheit der menschlichen Natur. Der Roman beleuchtet die Widersprüche von Liebe und Hass im Krieg, denkt eindringlich über den Schaden, den der Krieg jedem Einzelnen zufügt, nach und sucht nach der Richtung des Lichts. Der Schriftsteller durchbricht die Positionen beider Seiten im Krieg und erhebt den Kopf aus dem Hass, um das wahre Übel und die zugrunde liegende Ursache zu finden.
Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund der Schlacht von Changsha und des Massakers von Yingtian im Jahr 1939. Die Protagonisten, Herr und Frau ZHU Yidian und Herr und Frau Takeda, der japanische Soldat Wutian und seine Frau, haben sich vor dem Krieg nicht wirklich stark voneinander unterschieden: aufrichtige Liebe, Freundlichkeit und Wärme im täglichen Leben. Als der Krieg näher kam, änderte sich das alles dramatisch, und die beiden nicht verwandten Liebenden werden zu Todfeinden. Zwischen ZHU Yidian und Chizuru-chan entwickelt sich eine Geschichte von Hass und Vergebung.

Gespräch mit dem Autor auf der virtuellen Buchmesse 2020: https://www.youtube.com/watch?v=9sltgb7–nM&ab_channel=Konfuzius-InstitutFrankfurt

11. März 2022, 18:00 - 19:30 Uhr: LU Xun, Die wahre Geschichte des Ah Q; Tagebuch eines Verrückten

Tagebuch eines Verrückten handelt von einem Schriftsteller, der sich davor fürchtet, vom eigenen Bruder gefressen zu werden. Von Herrn Jedermann, der sich beglückt selbst Ohrfeigen verpasst. Von verborgenen Narben und der Sehnsucht nach einer besseren Gesellschaft, die sich zwischen klappernden Mah-Jongg-Steinen breitmacht. Von Dreiecksgesichtern, Quadratschädeln und anderen tragisch-komischen Schicksalen erzählt LU Xun und hält damit der chinesischen Gesellschaft den Spiegel vor. Melancholie, Militanz, Ironie und Trauer verschmelzen in diesem hochbrisanten Werk vom Vater der modernen chinesischen Literatur. Ein Erzähler und Denker von stupender Aktualität, den Europa immer wieder von Neuem entdeckt.

8. April 2022, 18:00 - 19:30 Uhr: MO Yan, Die Schnapsstadt

In China brodelt die Gerüchteküche: In einer entlegenen Provinz sollen dekadente Parteikader, skrupellose Parvenüs, die nach der Wirtschaftswende zu Reichtum gekommen sind, kleine Kinder nach allen Regeln der Kochkunst zubereiten lassen. Sonderermittler DING Gou‘er wird nach Jiuguo, in die sogenannte „Schnapsstadt“, entsandt, um der Fama dieser „Fleischkinder“ auf den Grund zu gehen. Doch kaum hat DING den Fall aufgegriffen, sieht er sich konfrontiert mit einer wahnhaften Welt, die von Aberglaube und Korruption, von Anmaßung und Gier beherrscht wird.

Die Schnapsstadt ist eine virtuose Groteske, eine politische Allegorie, die das neue China der toten Ideale und seine gesellschaftliche Wirklichkeit kühn gegen den Strich bürstet.

13. Mai 2022, 18:00 - 19:30 Uhr: CAN Xue, Liebe im neuen Jahrtausend

„Wenn es eine chinesische Kandidatin für den Nobelpreis gibt, dann ist es sicher Can Xue.“ – Susan Sontag.

Wei Bo irrlichtert durch eine Welt ständiger erotischer Verfügbarkeit, in der er zum Spielball in einer geheimnisvoll matriarchal kontrollierten Gesellschaft wird. Vier Frauen dominieren seine Welt, in der sich alle in permanenter Überwachung befinden, in der Informanten in Blumenbeeten lauern und es vor falschen Berichten wimmelt. Verschwörungen wuchern an allen Ecken und Enden dieser Gesellschaft, die Paranoia und Misstrauen schürt. Manche versuchen zu fliehen – sei es in ein mysteriöses Wellnesshotel oder in die Häuser der Ahnen, die nur unterirdisch durch schlammige Höhlen, Abwasserkanäle und Tunnel erreicht werden können. Andere suchen die Zuflucht in einer Stadt namens Chao, wo traditionelle chinesische Heilpflanzen es ermöglichen, zu einem neuen Selbst zu finden, und versprechen, die Welt etwas glücklicher werden zu lassen. Jedes Leben wird hier von tief vergrabenen Geheimnissen und surrealen Trugbildern heimgesucht. Can Xues meisterhaft erzählte Liebesgeschichte ist eine düster-groteske Farce aus dem heutigen China. Sie zeigt die vielen Gesichter der Liebe – satirisch, tragisch, vergänglich, absurd und erfüllend – vor einer Kulisse aus Kommerz und Industrie, Betrug und Ausbeutung.