In Wang Xiaonis Geschichtenzyklus werden die Helden, aber auch die Unholde des Alltags lebendig – eines kafkaesk anmutenden und doch real absurden bis grausamen Alltags zu Zeiten der Kulturrevolution. Was mit einer Gesellschaft und ihren Menschen geschieht, wenn sie in den Sog einer pervertierten Befreiungsideologie geraten, das offenbart sich hier. Die Lokomotive handelt von einem Jungen, einen Namen hat er nicht. Wir erfahren nur, dass er „1966“, also bei Ausbruch der Kulturrevolution, acht Jahre alt ist. Die politischen Verwerfungen aus der Welt der Erwachsenen übertragen sich sogar auf die Kinder – nun muss er sich in einer fremd und unverständlich gewordenen Welt alleine zu Recht finden.

Wang XiaoniWang Xiaoni, geboren 1955 in Changchun, ging mit 14 Jahren für sieben Jahre mit ihren Eltern zum Arbeiten aufs Land. 1978 bestand sie die Aufnahmeprüfung im Fach Chinesisch an der Universität Jilin. Hatte Positionen bei einer Filmproduktionsfirma und an der Universität inne. Heute lebt sie in Shenzhen. Ihre Veröffentlichungen umfassen die Lyrikanthologie „In meinem Papier liegt mein Herz“, Essays „Unterricht I“ und „Unterricht II“ und erzählerische Werke „1966“ sowie „40 Grad Radius“.

Cornelia VospernikCornelia Vospernik ist studierte Übersetzerin und Dolmetscherin für Slowenisch und Italienisch. Cornelia Vospernik hat von 1999-2001 das ORF- Korrespondentenbüro in London geleitet und 2007 das ORF-Korrespondentenbüro Peking eröffnet und vier Jahre lang geleitet. Seit 2013 ist sie Moderatorin der Ö1-Journale im ORF-Radio und des ORF Weltjournals, des wöchentlichen Fernseh-Auslandsmagazins. Über ihre Erfahrungen in China hat sie drei Bücher publiziert: „In China“, „China live“ und den Roman „Genosse Wang fragt“, alle erschienen bei Kremayr & Scheriau. Cornelia Vospernik wurde für ihre journalistische Arbeit mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Concordia Menschenrechtspreis und als Auslandsjournalistin des Jahres.

Prof. Zhiyi Yang


Prof. Dr. Zhiyi Yang
lehrt am Institut für Sinologie der Universität Frankfurt. Ihre Schwerpunkte sind vormoderne chinesische Literatur, klassisches Chinesisch, Kunsttheorie und chinesische Religionen

Prof. Richard Trappl


Richard Trappl
lehrt seit 1979 am Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Wien alte und neue Chinesische Literatur. Er ist Leiter des Konfuzius-Instituts Wien und hat über 30 Jahre China-Erfahrung.


Termin:
Sonntag, 23. Oktober 2016, 10:30 Uhr
Veranstaltungsort: International Stage (Halle 5.1 A 128), Messegelände Frankfurt